Welchen Einfluss hat der Krieg in der Ukraine auf den Transport per Bahn?

Der internationale Warenverkehr hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Besonders der Krieg in der Ukraine hat zahlreiche Lieferketten beeinflusst und bestehende Transportwege unter Druck gesetzt. Davon betroffen ist auch der Warentransport per Bahn zwischen Fernost und Europa. Während die sogenannte «Neue Seidenstrasse» vor wenigen Jahren noch als grosse Zukunftslösung galt, steht der Bahntransport seit Beginn des Ukraine-Krieges vor neuen Herausforderungen. Dennoch bleibt der Gütertransport auf der Schiene für viele Unternehmen weiterhin eine interessante und wichtige Alternative.

FairTex Group Zuglok Fernost

Bahntransporte aus Fernost vor dem Ukraine-Krieg

Vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges gewann der Transport per Bahn zwischen China und Europa immer stärker an Bedeutung. Insbesondere seit der Einführung der chinesischen «Belt and Road Initiative» investierte China massiv in neue Bahnverbindungen Richtung Europa. Die Bahn entwickelte sich dabei zu einer attraktiven Zwischenlösung zwischen Seefracht und Luftfracht.

Der Transport per Schiff war zwar günstiger, benötigte jedoch oft zwischen 35 und 60 Tage. Luftfracht hingegen war extrem schnell, aber gleichzeitig sehr teuer und ökologisch belastend. Der Bahntransport schloss genau diese Lücke. Viele Waren konnten innerhalb von rund 15 bis 20 Tagen von China nach Europa transportiert werden – also deutlich schneller als per Schiff und wesentlich günstiger als per Flugzeug.

Besonders während der Corona-Pandemie erlebte der Bahntransport einen regelrechten Boom. Weltweit kam es damals zu massiven Problemen im internationalen Schiffsverkehr. Häfen waren überlastet, Container fehlten und Frachtraten explodierten. Viele Unternehmen suchten deshalb nach alternativen Transportwegen. Der Schienentransport wurde dadurch für zahlreiche europäische Firmen plötzlich zu einer sehr interessanten Lösung.

Ein grosser Vorteil war zudem die gute Planbarkeit. Die Züge verkehrten regelmässig zwischen verschiedenen chinesischen Industriezentren und europäischen Logistikstandorten. Gerade für Unternehmen mit zeitkritischen Lieferungen bot die Bahn eine attraktive Kombination aus Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kostenkontrolle.

Der Ukraine-Krieg verändert die Situation grundlegend

Mit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 änderte sich die Situation jedoch schlagartig. Viele Bahnverbindungen zwischen China und Europa führten traditionell über Russland, Belarus und Polen. Genau diese Route geriet plötzlich politisch und wirtschaftlich unter starken Druck.

Zwar verkehren zahlreiche Güterzüge weiterhin über diese Strecke, doch viele europäische Unternehmen wurden vorsichtiger. Einige Firmen wollten bewusst keine Transporte mehr über russisches Gebiet durchführen. Andere sorgten sich über mögliche Sanktionen, politische Risiken oder zukünftige Einschränkungen des Warenverkehrs.

Hinzu kamen Unsicherheiten bei Versicherungen, Zahlungsabwicklungen und Zollprozessen. Einige internationale Logistikunternehmen reduzierten ihre Angebote oder stellten bestimmte Verbindungen zeitweise ganz ein. Dadurch verlor der Bahntransport nach Europa vorübergehend an Dynamik.

Gleichzeitig entstanden alternative Routen. Unter anderem wird seitdem der sogenannte «Middle Corridor» diskutiert. Dabei verlaufen die Transporte von China über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan, Georgien und die Türkei nach Europa. Diese Strecke umgeht Russland vollständig. Allerdings ist sie technisch und logistisch deutlich komplexer und auch langsamer, da verschiedene Verkehrsträger kombiniert werden müssen. Zudem fehlen teilweise noch Infrastrukturkapazitäten.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Schienentransport weiterhin ein wichtiger Bestandteil internationaler Lieferketten. Viele Unternehmen haben erkannt, dass eine breitere Diversifikation der Transportwege zunehmend entscheidend wird.

FairTex Group Middle Corridor

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Gerade im Bereich Nachhaltigkeit bietet der Bahntransport weiterhin enorme Vorteile. Die FairTex Group ist deshalb ein klarer Befürworter des Gütertransports per Bahn. Im Vergleich zum Transport mit Lastwagen verursacht die Bahn deutlich weniger CO₂-Emissionen und belastet die Umwelt wesentlich geringer.

Im Vergleich zur Bahn sind neben dem Flugverkehr insbesondere Transporte per LKW sehr umweltschädlich. Selbst wenn die Ware au der Balkanregion oder aus Osteuropa stammt, ist die CO₂ Belastung wesentlich höher als ein Bahntransport aus Fernost. Zwar sind Lastwagen flexibel und direkt einsetzbar, gleichzeitig verursachen sie jedoch hohe Emissionen, starke Verkehrsbelastungen und einen erheblichen Energieverbrauch. Der Transport per Bahn stellt hier eine deutlich nachhaltigere Alternative dar, weshalb der LKW nur für den Transport vom Produzenten zur Verladestation sowie von der Ankunftsdestination zum Kunden verwendet werden sollte.

Auch gegenüber der Luftfracht schneidet die Bahn ökologisch wesentlich besser ab. Flugtransporte verursachen enorme Mengen an CO₂ und zählen zu den umweltschädlichsten Transportformen überhaupt. Gleichzeitig sind Luftfrachten sehr teuer und wirtschaftlich oft nur bei besonders dringenden Lieferungen sinnvoll.

Der Bahntransport bietet deshalb einen interessanten Mittelweg: deutlich schneller als Seefracht, wesentlich günstiger als Luftfracht und gleichzeitig erheblich nachhaltiger als viele andere Transportlösungen.

Bahntransport bleibt auch in Krisenzeiten ein Thema

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Die Corona-Pandemie, geopolitische Spannungen und Konflikte im internationalen Schiffsverkehr haben immer wieder zu Verzögerungen und Engpässen geführt. Gerade deshalb gewinnt die Bahn als zusätzliche Transportlösung weiter an Bedeutung.

Besonders wenn es zu Unruhen oder Problemen im internationalen Seeverkehr kommt, kann der Bahntransport eine wichtige Alternative darstellen. Konflikte im Roten Meer oder Störungen wichtiger Handelsrouten wie die Strasse von Hormus zeigen immer wieder, wie abhängig die Weltwirtschaft von stabilen Schifffahrtswegen ist. Unternehmen suchen deshalb verstärkt nach flexibleren und sichereren Lieferketten.

Für viele Produkte bietet die Bahn eine sehr interessante Kombination aus Geschwindigkeit, Kosten und Nachhaltigkeit. Gerade für hochwertige oder zeitkritische Waren kann der Bahntransport weiterhin eine optimale Lösung sein.

FairTex Group DUSS Terminal

Wie sieht die Zukunft aus?

Kurz- und mittelfristig wird der Krieg in der Ukraine entscheidend sein. Dieser hat gezeigt, wie stark geopolitische Entwicklungen internationale Lieferketten beeinflussen können. Viele Unternehmen setzen deshalb heute bewusst auf mehrere Transportwege gleichzeitig, um Risiken besser zu verteilen.

Wir gehen jedoch davon aus, dass der Bahntransport zwischen Asien und Europa langfristig weiter wachsen wird – auch wenn sich die Routen und Strukturen verändern könnten. Die Bedeutung alternativer Korridore dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Gleichzeitig investieren zahlreiche Länder in neue Infrastrukturprojekte und Logistikzentren.

Für die FairTex Group bleibt der Transport per Bahn trotz aller Herausforderungen ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Logistiklösungen. Die Kombination aus Umweltfreundlichkeit, vergleichsweise schnellen Laufzeiten und attraktiven Kosten macht die Bahn auch künftig zu einer wichtigen Alternative im internationalen Warenverkehr.

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